“Wie sehen andere Menschen die Welt?”
Diese Frage habe ich mir schon als Kind gestellt. Und wollte wissen, wie andere Menschen denken, sprechen und leben. Durch diese Neugier fiel mir in meiner Schulzeit das Lernen leicht. Ich habe viel gelesen und mich früh für Geschichte begeistert. Besonders faszinierten mich die frühen Hochkulturen und die Frage, wie Menschen vor Tausenden von Jahren die Welt verstanden und erklärt haben.
Diese Neugier kam an verschiedenen Orten wieder zum Vorschein: im Garten meiner Mutter, am Geburtstagstisch meiner Oma, später in Berlin und während meines Studiums.
Heute arbeite ich als Dozent im Zweiten Bildungsweg, engagiere mich seit vielen Jahren kommunalpolitisch und kandidiere für das Berliner Abgeordnetenhaus. Diese Erfahrungen prägen meinen Blick auf Politik – und die Themen, für die ich mich einsetze.
Der Garten meiner Mutter
Mein Interesse für Umwelt- und Naturschutz begann im Garten meiner Mutter.
Dort hatten schon in den 1980er Jahren einheimische Pflanzen und Tiere. Meine Mutter sprach von Wirtspflanzen für Schmetterlinge, unsere Nachbarinnen und Nachbarn sagten Unkraut. Aber die Brennnesseln blieben bei uns stehen. Als Lebensgrundlage für den Großen Admiral.
Sie sagte oft: „Warum haben die anderen Leute so etwas nicht in ihren Gärten? Dann wären so viele Pflanzen und Tiere nicht vom Aussterben bedroht.“
Diese Haltung hat mich sehr geprägt. Meine Mutter war überzeugt, dass viele kleine Entscheidungen einen Unterschied machen können – und dass Verantwortung dort beginnt, wo Menschen ihren eigenen Lebensraum gestalten.
Mein Zugang zum Umwelt- und Naturschutz begann mit der Neugier auf die Zusammenhänge in der Natur – und mit der Begeisterung für ihre Schönheit. Ich will, dass auch Kinder von heute den Großen Admiral nicht nur aus Büchern kennen, sondern in Parks und Gärten erleben. Deshalb setze ich mich für den Schutz unserer Stadtnatur ein.
Sprache und Identität
Meine Oma kam aus einem kleinen Dorf in Bessarabien, in der heutigen Ukraine an der Grenze zu Moldau gelegen. Verschiedene Sprachen gehörten zu ihrem Alltag. In der Schule wurde Rumänisch gesprochen, zu Hause Schwäbisch. Ihr Vater hatte noch Russisch gelernt, die Nachbarn sprachen Jiddisch.
An ihren Geburtstagen gab es selbstgebackene Schwarzwälder Kirschtorte und Kaffee. Danach kam der Likör auf den Tisch. Und mit dem Likör wechselte oft die Sprache. Die Frauen aus dem Dorf unterhielten sich auf Plattdeutsch. Meine Oma konnte nicht mitreden. Ich auch nicht. Wir saßen mit allen am Tisch – und waren doch für einen Moment außen vor.
Wie eng Sprache, Herkunft und Identität zusammenhängen, hat mich seitdem beschäftigt. Später habe ich darüber auch wissenschaftlich nachgedacht: In meiner Dissertation über mischsprachige Romane untersuchte ich, wie sich Geschichten und Perspektiven verändern, wenn die Sprache wechselt.
Sprache entscheidet mit darüber, ob Menschen sich verstanden fühlen oder außen vor bleiben. Deshalb setze ich mich dafür ein, dass die Berliner Verwaltung verständlich und, wo notwendig, mehrsprachig kommuniziert. Herkunft oder Sprachkenntnisse dürfen kein Hindernis sein, wenn Menschen ihre Rechte wahrnehmen und am gesellschaftlichen Leben teilhaben wollen.
Berlin und die Freiheit
Ich bin in Hamburg geboren und in einem kleinen Dorf aufgewachsen. Als junger schwuler Mann zog ich nach Berlin – in eine Stadt, die mich verändert hat.
Ich erinnere mich an den ersten Club, in dem ich flirten konnte. In dem ich mich nicht verstellen musste. Eines Abends hörte ich im Ackerkeller eine kurze Unterhaltung zweier US-Amerikaner mit an: “I live here, because it’s free!” “I live here, because it’s cheap!” Und damit ist eigentlich alles über meine ersten Jahre in Berlin gesagt.
Ich habe damals erlebt, wie bereichernd unterschiedliche Lebensentwürfe sein können – und dass Vielfalt nicht von selbst gelingt. Vielfalt macht eine Stadt nicht automatisch besser. Sie verlangt von uns, Unterschiede auszuhalten, Kompromisse zu finden und immer wieder neu füreinander Verantwortung zu übernehmen.
Berlin hat mir gezeigt, wie viel es bedeutet, frei leben zu können. Mit der Zeit habe ich auch verstanden, dass Freiheit Verantwortung bedeutet – für die Freiheit der anderen und für die Gesellschaft, in der wir gemeinsam leben. Deshalb setze ich mich für ein Berlin ein, in dem Menschen ihren Platz finden können – unabhängig davon, woher sie kommen, wen sie lieben oder wie sie leben. Und unabhängig davon, wie dick ihr Geldbeutel ist.
Verantwortung übernehmen
Politik hat mich fasziniert, lange bevor ich selbst politisch aktiv wurde. Als Kind habe ich mit meinen Großeltern Bundestagsdebatten im Fernsehen verfolgt. Mich faszinierte die Kraft von Reden – und die Diskussionen um die besten Lösungen.
Seit 20 Jahren engagiere ich mich in der Kommunalpolitik. Für den Schutz von Bäumen, für Mieten, die wir uns leisten können, für einen Verkehr, der auch Kinder sicher ans Ziel bringt, und für die Stärkung unserer Demokratie.
Beruflich begleite ich Menschen dabei, ihren Schulabschluss nachzuholen. Dabei erlebe ich, wie wichtig es ist, dass Menschen echte zweite Chancen bekommen. Das bestärkt mich in meiner Überzeugung, dass Politik solche Chancen eröffnen muss.
Jetzt kandidiere ich für das Berliner Abgeordnetenhaus, weil ich Verantwortung für unsere Stadt übernehmen möchte. Dabei begleiten mich weiter diese Fragen: Wie schützen wir unsere natürlichen Lebensgrundlagen? Wie ermöglichen wir Menschen ein freies und selbstbestimmtes Leben? Und wie organisieren wir das Zusammenleben in einer Stadt, in der Menschen ganz unterschiedliche Erfahrungen und Perspektiven mitbringen?
Mich hat schon immer interessiert, wie andere Menschen die Welt sehen. Politik bedeutet für mich, unterschiedliche Perspektiven zusammenzubringen, Kompromisse zu finden – und trotzdem die Dinge zu erledigen, die getan werden müssen.
Ein paar Daten in aller Kürze...
- geboren 1978 in Hamburg
- 1996 das erste Mal in Berlin, seit 1998 hier wohnhaft
- Studium der Allgemeinen und Vergleichenden Literaturwissenschaft an der FU Berlin, Promotion bei Robert Stockhammer über mehrsprachige Literatur ("magna cum laude")
- 2005: Eintritt bei Bündnis 90/Die Grünen in den KV Pankow
- seit 2006 Regenbogenvater
- seit 2016 Bezirksverordneter, seit 2021 Vorsteher der BVV
- beruflich: seit 2020 Englischlehrer bei einem freien Bildungsträger, der jungen Menschen die Möglichkeit bietet, ihren Mittleren Schulabschluss nachzuholen